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Haithabu
#1
Haithabu
Vom Nichts zur Metropole
Dort, wo sich heute die Gemeinde Busdorf im deutsch-dänischen Grenzgebiet befindet, existierte eins eines der bedeutendsten Handelszentren Europas : Haithabu.
Zu Beginn des 8. Jahrhunderts deutet nichts darauf hin, dass an der sandigen Bucht von Haithabu, dem Haddebyer Noor, einmal eine Stadt entstehen würde. Das unberührte Noor erstreckte sich am westlichen Ufer der Schlei, einem schilfgesäumten Meeresarm, der von der Ostsee aus tief ins Land führt.

Zu der Zeit teilen sich 4 Völker die Halbinsel Jütland: Im Norden lebten die Dänen, im Süden die Sachsen, im Osten Slawen und im äussersten Westen, entlang der Nordseeküste, die Friesen. Letztere beherrschten zu dieser Zeit den Fernhandel von der Rheinmündung, bis zu den britischen Inseln und nach Skandinavien. Vermutlich sind sie es, die den Stützpunkt etwa um 725 am Strand des Noors errichten. Die benachbarten Völker lassen sie vorerst gewähren, da der waldreiche und sumpfige Landstrich zu der Zeit noch dünn besiedelt war. Vielleicht förderte sogar ein dänischer Herrscher die Entstehung dieser Siedlung an der Südgrenze seines Reiches.

Um 750 wurde aus einem Stützpunkt eine bescheidene Siedlung, da die Friesen entdeckt hatten, welche Chancen die Bucht ihnen bot. War sie doch gut geschützt und gleichzeitig leicht vom Meer zu erreichen. Das zudem die schon in der Bronzezeit genutzte Nord-Süd-Handelsroute, der Ochsenweg, hier verlief war nur ein weiterer Pluspunkt. War dieser doch die wichtigste Verbindung zwischen dem Land der Dänen und dem Tal der Elbe.
Sehr viel wichtiger jedoch, war wahrscheinlich die Tatsache, dass das Noor einen Zugang zu einer Abkürzung zwischen Ost- und Nordsee bietet. Statt wie bisher Jütland zu umsegeln und möglicherweise im sturmgepeitschten Skagerrak Schiffbruch zu erledigen, musste ein Händler von Haithabu aus nur etwa 18km über Land zurück legen bis zum nächsten Binnenhafen. Von dort aus trugen ihn die Flüsse Treene und Eider in die Nordsee. Nirgendwo anders war die Fahrt über Land zwischen den Meeren kürzer.

Wo ehemals der Ostseeraum vom Westen Europas relativ isoliert war, explodiert der Handel mit Skandinavien nun fast schlagartig. Die Wirtschaft in Westeuropa blüht Zusehens auf und die Fahrtrouten entlang der von Slawen und Balten besiedelten Küsten im Süden der Ostsee werden erkundet.

Zur gleichen zeiteröffneten andere skandinavische Pioniere Handelswege über den Dnjepr nach Konstantinopel und zum islamischen Kalifat. An günstig gelegenen Stellen, beispielsweise Meeresengen und Flussmündungen, oder in Grenzgebieten zwischen den verschiedenen Völkern, gründeten Kaufleute und Herrscher feste Niederlassungen. So entstand neben Haithabu auch Wolin an der Odermündung und Staraja Ladoga (beim heutigen Sankt Petersburg).

Die erweckte natürlich die Aufmerksamkeit der Dänen, welche der wirtschaftliche Aufschwung natürlich nicht entgangen war, und unterwarfen Ende des 8. Jahrhunderts die in Jütland lebenden Friesen. Als Haithabu 804 erstmals schriftlich festgehalten wird (Annalen des Fränkischen Reiches), kontrollierte König Göttrik schon den Ort. Um die Franken, allem voran Göttriks grössten Widersacher Karl der Große, von einem Angriff auf Dänemark ab zu halten, versammelte Göttrik sein Heer und seine Flotte. Dies bewies, das Göttik nicht nur ein machtbewusster, sondern auch ein ehrgeiziger Monarch war. Würden die mageren Abgaben der Bauern auf Dauer nicht reichen, um die Franken abzuwehren. Somit musste er wohlhabende Händler in sein Reich locken, oder dazu zwingen nach Haithabu zu kommen, um seine Truhen zu füllen.

Um 808 brach er zu einem Feldzug gegen die slawischen Völker auf und zerstörte auf seinem Rückweg, mit seiner Flotte, den dort wichtigsten Handelsplatz Reric. So versuchte er den Handel zwischen Ost- und Nordsee zu kontrollieren, schaltete mögliche Konkurrenten aus und zwang die durch seinen Überfall nunmehr heimatlos gewordenen Kaufleute, sich in Haithabu niederzulassen. Der Plan des Königs geht auf und dank des Geldes, der Kontakte und der Erfahrungen ist Haithabu bald schon bedeutender, als es Reric jemals gewesen war.
Schon 3 Jahre später begannen Arbeiter den Ort zu erweitern. Sie legten ein Netz aus rechtwinkligen Wegen an, die sie mit Eichenbohlen bedeckten, zudem steckten sie Grundstücke mit Zäunen ab und befestigten den Strand mit Reisig und Holzplanken, um das Entladen der Schiffe zu erleichtern. Wie ein breites Band säumt die Siedlung nun das Westufer des Noores. Eine etwa 60m lange Hauptstrasse verläuft von Norden nach Süden, während etwa auf halber Höhe des Weges, ein hölzerner Steg über einen begradigten Bachlauf führt, welcher von Westen nach Osten fliesst. Besonders hier, etwa 150m vom Hafen entfernt stehen die Häuser besonders dicht. Im Verlauf von weiteren 150 Jahren wird sich die Siedlung immer weiter nach Westen ausdehnen, bis sie einem riesigen Halbkreis, mit einem Durchmesser von 600m, ähnelt.
 
 
[Bild: odin-nordische-gott-odins-wotan-wikinger...1598821152]
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#2
Haithabu
Danewerk und Marktfrieden
Dank des Danewerk kann sich Haithabu ungestört entwickeln. Ein gewaltiger Schutzwall aus Erde und Steinen - 30 km lang, 10m breit und stellenweise bis zu 5m hoch - erstreckt er sich von der Treene im Westen bis zur Ostsee und riegelt so Jütland bei Haithabu ab. Verschanzt hinter der Brustwehr, bewachen Krieger und Bogenschützen den Wall, welcher seit dem 8. Jahrhundert immer weiter ausgebaut wird.

Für das aufblühende Haithabu ist er lebenswichtig, schützt er doch den Handelsweg zwischen beiden Meeren. In seinem Schatten gehen Händler an Land gehen, ihre Ware sicher bis zur Treene transportieren, eh sie von dort aus in die Nordsee segeln. Auf dem Höhepunkt seines Reichtums, wird Haithabu sogar selbst Teil dieser gewaltigen Festung, indem ein mehr als 4lm langer Wall sie mit dem Danewerk verbindet. Den Glanz seiner gegründeten Metropole erlebt Göttrik jedoch nicht mehr, da er 810 einem Attentat zum Opfer fiel.

Den Ränken zum Trotz, welche die ungeregelte Erbfolge auslöste, wächst Haithabu beständig weiter und wandelt sich von einem Handelsplatz zur ersten Stadt in Nordeuropa. Ein Ort, in dem keine Bauern mehr lebten, sondern spezialisierte Handwerker und Kaufleute. Eine Stadt, in der die Bewohner keine Äcker und Herden mehr besassen, sondern stattdessen Werkstätten, Schiffe und prall gefüllte Geldbeutel. Die Bedeutung Haithabus stieg sogar so weit, dass sich um 840 hier ein Adeliger in einem der prächtigsten Gräber der Wikingerzeit beisetzen liess. Unweit der Siedlung erhebt sich der langovale Hügel, in dessen Inneren sich ein 18m langes, seetüchtiges Kriegsschiff verbirgt. In einer hölzernen Kammer, unter dem Kiel, liegen 3 Männer begraben, ausgerüstet mit kostbaren fränkischen Schwertern, 4 Schilden, Pfeilen und prunkvollem Zaumzeug. Wer die Toten sind weiss bis heute niemand und doch ist bekannt, das nur die hohen Gesellschaftsschichten Zaumzeug besassen und genug Geld hatten um solch ein prunkvolles Grab zu erhalten.

Trotz all der Ränke um die Nachfolge, erkennen auch Göttriks Söhne, den wahr gewordenen Traum ihres Vaters und fördern den Handel mit allen Mitteln. König Horik, ein Sohn von Göttrik, erlaubte sogar 850 den Bau einer Kirche in Haithabu, nachdem ihn der Erzbischof von Hamburg und Bremen (Missionar Ansgar) mit kostbaren Geschenken bestach. Schon seit Jahrzehnten versuchte der Benediktinermönch die Völker des Nordens zu bekehren und stiess bei Horik endlich auf offene Ohren. Vermutlich wurde das hölzerne Gotteshaus etwas ausserhalb der Siedlung, am Ufer der Schlei gebaut. Was Ansgar jedoch vergass, war das Horik auf diese Weise christliche Händler aus den fränkischen Reichen nach Haithabu locken konnte. Um den Schachzug perfekt zu machen erlaubte er sogar seinen eigenen Untertanen zu konvertieren. Durften Christen, laut einer Verfügung der Franken, doch nur mit Händlern des gleichen Glaubens verhandeln. Bald schon trugen die reichsten Männer Haithabus das Zeichen des neuen Gottes, ohne jedoch vollkommen auf ihren alten Glauben zu verzichten. Liessen sie sich doch nicht taufen, sondern nur von einem Priester feierlich bekreuzigen. Dieser "erste Segen" erlaubte es ihnen die Kirche zu besuchen und sehr viel wichtiger, den Handel mit den Christen, während sie weiter zu ihren Göttern beteten. Die Metallgiesser wittern ihre Chance und schnitzen geschwind Formen aus Speckstein, mit denen sich in einem Arbeitsgang die Symbole beider Religionen giessen liessen, der Thorshammer der Heiden und das Kreuz der Christen.

Immer grössere Schiffe steuerten von nun an den Hafen an. Um das Anlegen leichter zu machen errichteten die Bewohner etwa um 865 eine Landungsbrücke. Schmal und kaum 20m lang und doch ausreichend genug, damit die Boote schwimmend festmachen und bequem entladen werden konnten. Binnen weniger Jahre wird diese Plattform immer weiter ausgebaut. Um den Reichtum noch weiter zu mehren ging der Dänenkönig Siegfried 873 sogar einen Frieden mit den Ostfranken ein. Sicherte dieser den Schutz fremder Händler, sofern Zoll für die Waren gezahlt wurde. Vermutlich sicherte er sich gleichzeitig auch ein anderes Privileg. Sollten fremde Händler, welche nach Haithabu kamen, ihre Luxusgüter doch erst ihm zum Kauf anbieten, damit der Monarch immer die besten Waren auswählen konnte. Ohne zu Zögern beugten sich die Kaufleute seinem Willen. Profitierten sie doch alle von seiner Obhut, insbesondere die Skandinavier. Bei Dänen, Schweden und Norwegern sorgte die eigene Sippe für die Sicherheit der Familienmitglieder, Kaufleute aus fremden Regionen hingegen galten vorher als vogelfrei. Sie waren vollkommen rechtlose Männer, die jederzeit ungestraft getötet und versklavt werden konnten und somit auf den Schutz des Königs angewiesen waren. So entstand der "Marktfrieden" in Haithabu. Wer durch das Hoheitsgebiet Haithabus reiste, dem durfte nichts geschehen. Der eigens hierfür einberufene Wikgraf sorgte im Auftrag des Königs, das sich an alle Vorschriften gehalten wurde. Dennoch hatte selbst die Macht des Königs ihre Grenzen. Jenseits der Schleimündung, auf offener See, drohten den Kaufleuten noch immer die Plünderung durch Piraten. Selbst die regelmässigen Patrouillen des Königs hielt sie nicht ab und so schlossen sich viele Händler zu Konvois zusammen, um so sicher den Hafen zu erreichen.
[Bild: odin-nordische-gott-odins-wotan-wikinger...1598821152]
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#3
Haithabu
Der Handel
Ein hölzernes Bollwerk ragt aus dem trüben Wasser des Noors, während Palisaden den Blick vom Wasser aus auf die dahinter liegende Stadt verwehren. Eine kleine Hafenöffnung wird von 2 bewachten Türmen mit Kämpfern bewacht, welche nur unverdächtige Schiffe (Handelsboote die tief im Wasser liegen und keine Krieger an Bord haben) zu ihren Ankerplätzen gleiten lassen. Sobald auch nur eine Kleinigkeit ihr Misstrauen weckt schlagen sie Alarm. Hat ein Kaufmann jedoch die Wachen passiert, so nähert er sich dem grössten und unglaublichsten Hafen Nordeuropas. Dutzende, gut 80m lange Stege ragen weit in das rund 600m lange und 100m breite Hafenbecken. Das Kopfende dieser Kaianlagen ist sogar so ausladend, das Frachtschiffe längsseits daran festmachen können.

Zwischen den bauchigen Handelsschiffen und den königlichen Kriegsschiffen gleiten Ruderboote durch das Becken, um nach den Fischreusen zu schauen, die sie im tieferen Wasser ausgelegt haben. Jeder Neuankömmling wird sofort bedrängt und ausgefragt. Was hat er geladen? Ist er vielleicht hungrig? Braucht er vielleicht eine vergoldete Nadel für seinen Umhang, oder einen verzierten Kamm für seine Gemahlin daheim? Übersetzer bieten fremden Händlern ihre Dienste an und mittendrin im Gewusel laufen Aufseher, des Königs, umher um die Ladung zu inspizieren und den Ankerzoll einzufordern. Die landebrücken sind zugleich auf der Markt über dem Wasser, gestützt von tausenden Pfählen. Alle Stege sind miteinander verbunden, so das eine Plattform von fast 1500 Quadratmeter Fläche entsteht. Statt ihre Waren mühselig zur Siedlung zu transportieren, können Händler sie direkt neben ihren Schiffen anbieten. Reiche Wikinger mit pelzbesetzten Mänteln, arabische Händler in ihren auffallenden Seidengewändern und slawische Kaufleute mit Zipfelmützen gehören zum mittlerweile vertrauten Anblick in Haithabu.

Im Sommer, der Höhepunkt einer jeden Handelssaison, stapeln sich auf der mit Holzbohlen bedeckten Fläche Hunderte Fässer und Seekisten, Mühlsteine aus Basalt, Weinamphoren, Geweihe, Beutel voller Glasperlen, zu Bündeln geschnürte baren, Kochtöpfe aus Speckstein und vieles mehr. Auch die Handwerker der Stadt drängen sich ihren Weg durch das Gedränge, immer auf der Suche nach Geweihen, Pechkohle und klarem Bergkristall. Ein beissender Geruch nach Schweiss liegt in der Luft, denn die Seefahrer wuchten ihre Schätze fast immer ohne Hilfsmittel auf die Plattform. Nur für besonders schwere Ladungen nutzen sie die Rahnen ihrer Schiffe als Kräne. Auch andere Luxusgüter, wie goldener Schmuck, Wein und sogar Pfirsiche werden zum Kauf angeboten, auch wenn die kunstvoll verarbeiten Pelze der Nordmänner bei den Christen wohl den wahren Luxus darstellten. Gibt es doch zahlreiche Quellen, in denen sie himmelhoch gerühmt werden. Doch selbst fromme Christen werden fündig auf dem Markt und finden gottgefällige Waren, wie beispielsweise Bienenwachs aus den Wäldern Osteuropas, für Kerzen, welche die Klöster und Kirchen erhellen. Die Ware, welche jedoch den meisten gewinn verspricht, ist der Mensch. Selbst der oströmische Kaiser und sogar Herrscher aus den östlichen Kalifats kommen extra nach Haithabu, um sich mit Ware einzudecken, da nirgendwo im Ostseeraum das Angebot grösser war. 900 berichtet ein unbekannter Chronist davon, das manchmal sogar Nonnen zum Kauf feil geboten wurden. Ein fränkischer Missionar erblickte die Nonnen und verkaufte sein Pferd samt Zaumzeug, um eine irische Nonne aus der Gefangenschaft zu befreien, deren Kirchenlied seine Aufmerksamkeit erregt hatte. Die meisten Sklavinnen haben jedoch weniger Glück und wechseln für einen durchschnittlichen Preis von 200gr Silber den Besitzer. Somit sind sie zu damaliger Zeit doppelt so teuer wie eine Kuh, jedoch ein Drittel billiger als ein Pferd.

Archäologischen Funden nach galten in Haithabu etliche Währungen, obwohl dänische Könige mehrfach versucht hatten eine eigene Münzsorte ein zu führen. Manche Händler bezahlten mit friesischen Geldstücken aus Silberblech, andere mit Denaren aus dem Frankenreich und wieder andere bezahlten mit Perlen aus Glas oder Bergkristall. Händler, welche über die Wolga gekommen sind bringen sogar Silbertaler aus dem Zweistromland nach Haithabu: islamische Daraphim, geprägt in Madinat-As-Salam (heute Bagdad), der Hauptstadt der östlichen Kalifen. Wieder anderen Händlern geht es allein um das Gewicht des Silbers, während ihnen Form und Prägung vollkommen egal ist. Um einen geforderten Preis zu begleichen zerschneiden sie ohne Gewissensbisse Münzen, zerhacken silbernes Geschmeide, oder zerstückeln glänzende Silberbarren. Man vermutet, das erfahrene Fernhändler an ihren Gürteln lederne Börsen hatten, welche in mehrere Fächer unterteilt waren, damit sie in verschiedensten Währungen zahlen konnten. Neben den zahlreichen Münzen war das wichtigste Instrument eine bronzene Klappwaage, kaum grösser als eine Handfläche. So wurde mithilfe kleiner, kugelförmiger Gewichte das zerhackte Silber gewogen und somit der Wert bestimmt. Selbst auf eine Bissprobe, um die Echtheit zu bestätigen, wurde nicht verzichtet. Erst wenn diese erfolgreich bestanden war, galt ein Geschäft als abgeschlossen. Händler hatten jeden Grund misstrauisch zu werden. Geschah es doch nicht selten, das Falschmünzer einfach Blei mit Zinn mischten, um so Kopien fremder Währungen herzustellen. Sobald die Gusszapfen sauber abgefeilt waren, waren die Fälschungen kaum noch von echten Münzen zu unterscheiden. Nur wenn ein Händler die Silberlinge zerhackte fiel der Betrug auf.

Doch nicht nur allein der Handel war gefährlich, sondern auch die Ladebrücke selbst, welche ein begehrtes Ziel von Dieben war. Nachts schlichen sie sich heimlich auf die Schiffe und knackten die Seekisten auf, in welche die Händler ihre Habseligkeiten verstauten. Um ihre taten zu vertuschen, wurden die Kisten häufig mit Steinen gefüllt um das entnommene Gewicht zu entsetzen, oder einfach im Hafenbecken versenkt. Das sie hierbei auch nicht vor Mord zurück schreckten bewiesen Knochenfunde auf dem Grund des Hafenbeckens.
[Bild: odin-nordische-gott-odins-wotan-wikinger...1598821152]
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#4
Haithabu
Das Leben und die Bewohner
Wenn am Abend die Sonne tief über den Häusern steht, wird der Markt geschlossen, und die Händler begeben sich in die Stadt. Kurze, mit Bohlen befestigte Landbrücken führten zur Hauptstrasse, welche teilweise nur einige Meter hinter dem Strand verläuft. Besuchern schlägt das Dröhnen der Schmieden und der Gestank von tausenden Misthaufen entgegen. Ihren Müll, sowie den Dung ihrer Tiere und menschliche Ausscheidungen, sowie Abfall werden nicht fort geschafft, sondern neben den Häusern geschichtet. So kommt es auch, das die Planken mit Dreck verunreinigt sind und erst ein kräftiger Regenguss alles ins Noor spült. So kommt es, das sich Ungeziefer rasch in der Stadt vermehrt und Tiere, sowie auch Menschen quält. Auf der Hauptstrasse vermischt sich der Gestank von Mist, mit Rauch aus zahlreichen offenen Herdfeuern, sowie dem Geruch geschlachteter Tiere. Vor einigen Häusern sind Schädel von Widdern, Ziegenböcke, sowie ganze Schweine auf Pfählen aufgespiesst. Letztere werden als Opfermahl für die heidnischen Götter verzehrt.

Vornehme Frauen eilen in bunt gefärbten Kleidern an den Kaufleuten vorbei, die Gesichter geschminkt mit einer Mischung aus Rötelstein und Schweineschmalz. Ärmere Bewohnerinnen hocken am Bach, welcher quer von West nach Ost durch die Stadt verläuft, und waschen auf schmalen Stegen ihre Wäsche, während Kinder wohl lachend um sie herum spielen. Kaum jemand hier ist älter als 30 Jahre, insbesondere nicht die arme Bevölkerung, da die Bewohner ein hartes, kurzes Leben führen. Nur 3 von 10 Kindern erreichen überhaupt ihre Jugendleite (14 Jahre), Erwachsene werden selten älter als 40. Schon ein entzündeter Zahn konnte in dieser Zeit den Tod bedeuten. Viele Menschen waren gebeugt von der Knochentuberkulose, welche ihre Wirbelsäulen schmerzhaft verkrüppeln lässt.

Wer von der Hauptstrasse den Blick von der Armut in Richtung Norden wendet blickt auf das Viertel der Kammschnitzer, Perlenmacher und Weber. Schaut man jedoch gen Westen, so bemerkt man wie das Gelände sanft ansteigt und erspäht das Quartier der Schmiede. Wegen der Glut und Funke in ihren Essen wurden sie an den Oberlauf des Baches, ans äusserste Ende Haithabus verbannt. Nichts ist tödlicher als ein Feuer in einer hölzernen Stadt. Zudem glaubten die Menschen, das Schmiede mit den Göttern im Bunde standen. Schwingt nicht der mächtige Thor einen gewaltigen Hammer? Schuf nicht Odin aus der Glut von Muspelheim die Sterne, den Mond und sogar die Sonne? Die Kunst der Schmiede musste vielen als Magie vorkommen. Ebenso nicht vergessen werden dürfen die Fischer, welche in der Nähe des Strandes wohnten. Sie nahmen eine wichtige Rolle bei der Ernährung der Bevölkerung ein, da Fisch ein essentieller Bestandteil des Speiseplanes war.

So mancher Handwerker kommt von weit her, um die Rohstoffe der Händler zu veredeln. Broschen, Kämme, Perlen, Glas und bernsteinerne Spielfiguren aus Haithabu sind in ganz Nordeuropa heiss begehrt. Andere Händler und Kaufleute hingegen kommen nur für ein paar Wochen, der Geschäfte wegen in die Stadt. Für die Dauer ihres Aufenthaltes kehren sie in reetgedeckte Häuser, welche typisch für das Stadtbild waren, ein. Die hölzernen Giebel dieser Kantone säumen die Hauptstrasse und sind Herberge und Warenlager in einem. Einige werden von Handelsgesellschaften geführt, da viele Wikinger sich zu Gilden zusammen schlossen, um die Gewinne und Risiken einer Reise zu teilen. Félag, Partnerschaft, nennen sie solch ein Bündnis. Die Wagemutigen unter ihnen segeln mit den Waren aller Partner in die Fremde, während die anderen daheim bleiben um die Schiffe und Güter zu finanzieren.
In einem solchen Händlerhaus öffnet sich hinter einer schweren Eichenholztür, ein dunkler Lagerraum. Fässer lagern an den Wänden entlang und Krüge voller Bier stehen auf dem festgetretenen Boden, während unter dem Dach mächtige Schinken hängen. Die Wände, bestehen wie bei den meisten Gebäuden der Stadt, aus gespaltenen Stämmen, welche direkt in den Boden gerammt werden. Ein gewöhnliches Haus hält daher nur wenige Jahre und doch gibt es einige Häuser, welche sogar an einen eigenen Garten angeschlossen waren.

In der Mitte des Raumes erstreckt sich eine Herdplatte aus gebranntem Lehm. Der perfekte Ort für die einfachen Seefahrer, um ihre freien Stunden zu verbringen. Um das Feuer gedrängt trinken sie, essen, messen sich in Brettspielen, oder singen von Flöte, Fiedel und Leier begleitete Lieder. Der Kapitän eines Handelsseglers, sowie reiche Kaufleute müssen sich ihr Bett mit niemanden teilen. Sie schlafen hinter Trennwänden aus Holz, bis sie schliesslich Haithabu wieder verlassen.
[Bild: odin-nordische-gott-odins-wotan-wikinger...1598821152]
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#5
Haithabu
Ragnarök is coming
Führende Familien des dänischen Reiches wachen über die Handelsroute und immer mehr adelige Reiterkrieger lassen sich am Ufer der Schlei nieder. Selbst der König besuchte die Stadt nun häufiger, obwohl er sein Lager wohl eher am nördlichen Ufer des Fjords aufschlägt. Entkommt er so doch dem Pöbel, Schmutz und Gestank der Metropole. Will er seine Untertanen beeindrucken, so besteigt er sein königlich ausstaffiertes Langschiff und lässt sich herüber rudern. Dennoch ziehen dunkle Wolken auf, welche sich immer mehr und mehr zusammen brauen. Missfällt es den deutschen Königen, den Erben der fränkischen Monarchen, dass die dänischen Adeligen zwar christliche Händler und Kirchen in ihrem Reich dulden, sich selbst aber immer noch zu ihren heidnischen Göttern bekennen.

Immer stärker drängen sie auf einer Missionierung, jedoch weniger aus religiösem Eifer, vielmehr mit einem hohem politischem Kalkül. Spekulierten sie doch darauf, das mit zunehmendem Einfluss der Christen auch ihr Einfluss in Haithabu steigen würde. Um ihre Forderungen durchzusetzen greift 934 ein Heer vor Haithabu auf und zwingen den später besiegten König Knut zu einer Taufe. Fortan müssen Dänen dem König Tribut zahlen, die Oberherrschaft des Römischdeutschen Reiches anerkennen und den Willen der Kirche anerkennen und sich beugen. Sie treiben es sogar so weit, das sie 948, nach einem Besuch von Kaiser Ottos I., Haithabu zum Bischofssitz erklärt, nachdem 850 die erste christliche Kirche errichtet worden war.

Doch die Rettung nahte, als 944 König Blauzahn den dänischen Thron bestieg und ein Ende der römischdeutschen Zwangsherrschaft war in Reichweite. Trotz seiner augenscheinlichen Taufe 965, mit welcher er seine Feinde in Sicherheit hatte wiegen wollen, blieb der König in den Tiefen seines Herzens wohl dennoch ein Heide, so wie viele andere Wikinger auch. Nach der Rückeroberung Haithabus, war es jedoch genau diese Taufe, welche in den folgenden Jahren für einen brüchigen Frieden zwischen Dänen und Deutsche sorgte. Blauzahn jedoch traute dem deutschen Kaiser nicht und versuchte daher auch gar nicht die Beziehungen mit dem Nachbarreich durch eine Heirat zu festigen. Stattdessen heiratete er die Tochter eines slawischen Fürstens, ein Gegner der Deutschen. Aus Furcht vor weiteren Angriffen, nachdem er Haithabu zurück erobert hatte, lässt er 968 das Danewerk ausbauen und mit Palisaden verstärken, 974 greift er die deutschen Gebiete südlich der Eider mit seinen Truppen an. Leider jedoch hatte er die Stärke seines Feindes unterschätzt und ein Gegenschlag trieb ihn und seine Männer weit nach Norden zurück. Das Danewerk und Haithabu fallen erneut in römischdeutsche Hände, diesmal jedoch in die von Kaisers Otto II. Im Jahre 983 erobert jedoch endlich der dänische König, Harald Blauzahn, Haithabu endgültig für Dänemark wieder zurück. Zum Gedenken an ihre gefallen wurden unweit des Walles 2 riesige Runensteine aufgestellt.

Trotz all der politischen Wirren erreichte Haithabu im 10. Jahrhundert seine Blütezeit und war mit mindestens 1500 Einwohnern der bedeutendste Handelsplatz im westlichen Ostseeraum. Besucher musste es wohl so vorkommen, als wäre die Stadt für die Ewigkeit gebaut. Beschützte doch ein gewaltiger Halbkreiswall die Handelssiedlung, ein Bischof regierte am Ufer der Schlei, ein christlicher König Sven I. „Gabelbart“ (bestieg nach 986 den Thron, Sohn von Harald Blauzahn) überwachte die Geschicke und im Hafen lag eine Kriegsflotte vor Anker. Dank geschickter Raubzüge waren auch die Truhen voll mit Gold gefüllt und niemand kam auch nur auf den Gedanken, das innerhalb eines Menschenlebens die Stadt untergehen würde. Vorher werden jedoch um 1000 die Landebrücken ein letztes Mal verlängert.




Entscheidend für Haithabus Verschwinden sind vermutlich zwei Kriege: Im Jahr 1050 erobert der norwegische König Harald der Harte die Stadt und 16 Jahre später zerstören slawische Truppen, den wohl zum Teil wiederaufgebauten Handelsplatz, endgültig.

Ob die letzten Überlebenden nach dem Inferno noch einmal in ihre Stadt zurückkehren, ist ungewiss.

Wahrscheinlich flüchten sie sich an das Nordufer der Schlei, wo das Wasser tiefer ist. Dort, in Sichtweite ihrer alten Heimat, gründen sie eine neue Siedlung: Schleswig.

Von dem Ort aber, an dem einst heidnische, christliche und muslimische Händler zusammenströmten, von der Weltstadt der Wikinger, bleibt nichts als ein namenloser Erdwall zurück.
[Bild: odin-nordische-gott-odins-wotan-wikinger...1598821152]
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